Zu Beginn dieses Jahres erklärten Medienexperten, dass 3D die Medienbranche revolutioniert. Die gleichen Leute sind nun der Meinung, dass es nur eine weitere Spielerei war, die jetzt wieder an Boden verliert.
Weder richtig noch falsch, ist meine Meinung dazu. Technologie-Entwicklungen verlaufen selten Linear, sondern mit Schwankungen nach oben und unten. Das liegt in der Natur – es war bei HD so, beim Internet und bei Apple in den 90ern. 3D ist also nicht am Sterben, sondern am Reifen.
Als die ersten Filme mit Ton und in Farbe in die Kinos kamen, boomten die Umstätze im Box-Office. Auch damals hatten oberflächliche Beurteilungen dazu geführt, dass Farbe und Ton beim Film zu einer vergänglichen Ergänzung abgestempelt wurden. Es scheint fast so, als ob neu eingesetzte Technologien ein Garant für Erfolg sein müssen und demnach wichtiger als der Inhalt sind.
Die Meinung der meisten Journalisten war nach Bekanntwerden der Zahlen schnell gemacht. Sie fanden heraus, dass der Anteil der 3D Einnahmen im Box-Office von 71% bei “Avatar”, auf 45% bei “Despicable Me” zurückggegangen ist. Und somit ist klar, dass der 3D Hype vorbei ist und sich die Technik nicht durchsetzen wird. Tatsache ist jetzt aber, dass 80% der Einnahmen bei “Step Up 3D” vom 3D Ticketverkauf kommen.
Woher kommen diese verschiedenen Betrachtungsweisen? Die Faktenlage ist aus meiner Sicht etwas komplizierter als die einfache Schlussfolgerung der Journalisten. Es verlangt nach aufwendigen Recherchen, um dies genauer zu analysieren. Zeit, die heutzutage wohl in den meisten Redaktionen fehlt. Das Durchlesen der Agenturmeldung muss genügen, um eine brisante Schlagzeile zu formulieren. Nur wenige Journalisten, wie zum Beispiel Carl DiOrio vom Hollywood Reporter, haben sich mit dem Thema eingehend befasst. Er fand heraus, dass viele Faktoren die Box-Office Zahlen von 3D Ticketverkäufen beeinflussen. An erster Stelle steht die (immer noch) limitierte Anzahl von 3D Kinos. Wenn die grossen Hollywood-Studios in kurzen Abständen 3D Filme lancieren (in diesem Sommer 4 Filme innerhalb von 6 Wochen), wird die Anzahl der möglichen Screenings pro Film in den Kinos spürbar reduziert. Gleichzeitig war in den USA Toy Story 3 in den Kinos. Übrigens, Toy Story 3 brach in den USA alle Animations-Rekorde und 56% der Einnahmen kamen von 3D. Und bei diesen 56% handelt es sich um ein bisschen mehr als eine halbe Milliarde Dollar.
Also: Je mehr 3D Filme gleichzeitig im Kino, desto weniger der prozentuale Anteil an den Erträgen – weil zuwenig Leinwände vorhanden.
Im Netz ist auch ein Interview mit Patrick Seitz (Investor’s Business Daily) zu finden. Er hob hervor, dass der Verlust noch andere Faktoren beinhaltet. Zum Beispiel, dass die IMAX Kinos die letzten 4 3D Filme nicht gezeigt haben. Der Anteil an den IMAX 3D Ticketverkäufen betrug zwischen 7 und 12%. Ein Grund war die schlechte 3D Qualität. “Clash of the Titans” und “The last Airbender” wurden in 2D gedreht und auf 3D umgerechnet. Der begeisterte Kinogänger ist aber nur dann bereit, die höheren IMAX-Eintrittspreise zu bezahlen, wenn 3D einen wirklichen Mehrwert ausmacht. Toy Story 3 war mit 59% 3D Einnahmen auf gutem Weg, doch wurde – vertraglich verpflichtet – nach nur 2 Wochen aus den IMAX-Kinos wegen “Inception” vertrieben.
Meine Meinung ist: Unter dem Strich wird 3D langsam zum Mainstream. Doch die Zuschauer sind nur dann bereit den 3D Preiszuschlag zu zahlen, wenn es sich lohnt, den Film auch in 3D anzuschauen. Das ist offensichtlich bei “Step Up 3D” der Fall, welcher mit einem 80% 3D-Anteil startete. Bald kommt der neue “Harry Potter” ins Kino und “Tron: Legacy”. Es ist davon auszugehen, dass beide Filme 70% 3D Anteil haben sollten. Zuschauer gehen nicht ins Kino und schauen sich einen schlechten 3D Film an: Qualität zählt. Konsumenten haben das Interesse an 3D nicht verloren. Es zeigt vielmehr, dass 3D Filme im gleichen Massstab wie jeder andere 2D Film vom Publikum bewertet wird. Und das ist so, wie es sein soll!








